Honorarberatung: Warum ein Stundensatz günstiger und fairer ist

Die meisten Honorarberater bieten eine Vermögensverwaltung an – doch ist das tatsächlich sinnvoll?

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

Stundensatz vs. laufende Gebühren

Grundsätzlich gibt es zwei Arten der Honorarberatung.

Bei der Honorarberatung auf Stundenbasis erstellt der Berater ein Anlagekonzept, die Umsetzung und Verwaltung übernimmt der Kunde selbst. Dabei wird ein einmaliges, fixes Honorar fällig.

Bei der vermögensverwaltenden Honorarberatung kümmert sich der Berater dauerhaft um das Portfolio und verlangt dafür typischerweise Gebühren, die sich in Prozent der Anlagesumme bemessen.

Der Unterschied liegt also darin, wer die Geldanlage langfristig verwaltet: der Kunde selbst oder der Berater.

Wie hoch ist der Stundensatz?

Die üblichen Kosten von Finanzberatungen sind wie folgt:

  • Stundensatz (Honorarberatung): 150 bis 300 Euro pro Stunde (inkl. MwSt.). Abgerechnet wird nicht nur die Beratungszeit selbst, sondern auch die Zeit für Recherche und Erstellung der gesetzlich vorgeschriebenen Dokumentation.

  • Verwaltungsgebühren (ETF-Vermögensverwaltung): 0,8 bis 1,2 Prozent pro Jahr für Vermögen bis zu einer Million Euro (inkl. MwSt.). Bei höheren Summen kann die Gebühr leicht sinken, bleibt aber in der Regel über 0,5 Prozent pro Jahr. 

  • Provisionsberatung: Hier liegen die laufenden Kosten der Portfolios oft bei 1 bis 2 Prozent pro Jahr und sind somit deutlich höher als bei ETF-Portfolios (0,1 bis 0,2 Prozent).

Sie sehen also: Provisionsberatungen und ETF-Vermögensverwaltungen verursachen hohe laufende Kosten. Diese mindern die Rendite erheblich, wie wir gleich sehen werden.

Warum der Stundensatz günstiger ist

Einmalige Kosten sind bei der Geldanlage in aller Regel besser als laufende Kosten. Selbst kleinste Unterschiede in den Nachkommastellen summieren sich nämlich mittel- bis langfristig auf erhebliche Vermögenseinbußen.

Ein Beispiel: Ein Anleger investiert 100.000 Euro in ETFs und zahlt 2000 Euro Honorar an einen Stundenberater. Ein zweiter Anleger zahlt kein Stundenhonorar, sondern eine jährliche Verwaltungsgebühr von 0,8 Prozent der Anlagesumme.

Beide Beratungskosten, das Stundenhonorar und die Verwaltungsgebühr, werden aus dem Vermögen von 100.000 Euro entnommen. 

Das Ergebnis: Bereits nach zweieinhalb Jahren hat der Nutzer der Stundenberatung mehr Vermögen aufgebaut. Nach 20 Jahren sind es 13 Prozent mehr (mehr zu den Kosten der Honorarberatung hier).

Honorarberatung und Vermögensverwaltung im Vergleich (Beispiel)*

Annahmen: Anlagesumme von 100.000 Euro, Rendite von 5% pro Jahr

Honorarberatung
Vermögensverwaltung
Kosten
0,2% pro Jahr ETF-Gebühren, 2000 Euro Honorar
0,2% pro Jahr ETF-Gebühren, 0,8% pro Jahr Verwaltungsgebühren
Zeitpunkt, ab dem mehr Vermögen vorhanden ist
2 Jahre 7 Monate
Vermögen nach 10 Jahren
156.000 Euro (+6%)
147.000 Euro
Vermögen nach 20 Jahren
250.000 Euro (+13%)
217.000 Euro

Quelle: Eigene Berechnungen

*Hinweis: Die Ergebnisse basieren auf Hochrechnungen mit typischen Renditen der letzten 50 Jahre in Deutschland (60/40-Portfolio) und durchschnittlichen Kosten beider Beratungsmodelle. Sie dienen nur der Veranschaulichung und sind keine Garantie für zukünftige Entwicklungen.

Weitere Vorteile des Honorars auf Stundenbasis

Ein Stundenberater unterliegt deutlich weniger Interessenkonflikten.

Vermögensverwalter haben keinen Anreiz, Anlagelösungen abseits der Kapitalmärkte zu empfehlen, etwa Gold, Immobilien oder Schuldenabbau. Schließlich wollen sie Ihnen eine Vermögensverwaltung verkaufen. Nur ein Honorarberater, der kein Vermögensverwalter ist, kann Ihnen ganz unvoreingenommenen Rat geben. 

Zudem besteht der Anreiz, Ihnen komplexe Portfolios zu bauen aus vielen Produkten oder mit Produkten, die nur über den Honorarberater erhältlich sind. So will der Berater Sie weiter abhängig von ihm halten, damit sie sich nicht selbst um Ihr Portfolio kümmern.

Tatsächlich bietet Komplexität bei der Geldanlage keinen wirklichen Mehrwert, denn die richtigen ETFs streuen bereits weltweit und enthalten Tausende von Aktien oder Anleihen. Mehr als zwei ETFs pro Anlageklasse bringen kaum mehr zusätzliche Diversifikation.

Darüber hinaus haben Vermögensverwalter einen Anreiz, regelmäßig ins Portfolio einzugreifen, um ihre Bezahlung durch Aktivität zu rechtfertigen. Dieses Eingreifen schadet meist mehr, als dass es nützt, da zusätzliche Kosten und vorzeitige Steuern anfallen und selbst professionelle Anleger langfristig damit nicht besser abschneiden als passive Anleger, die nichts tun.

Kann man ein ETF-Portfolio als Anfänger selbst verwalten?

Mit der richtigen Einweisung ist es vergleichsweise einfach, ein ETF-Portfolio selbst zu verwalten. Millionen von Anlegern tun das bereits heute in Deutschland.

Die Verwaltung dauert nur 30 bis 60 Minuten pro Jahr, wenn Sie den Aufwand gering halten möchten. 

Die Überweisung der Steuern ans Finanzamt übernimmt der Depotanbieter für Sie. In der Regel müssen Sie keine Steuererklärung abgeben. 

Moderne Depots bei Onlinebanken und Brokern sind sehr nutzerfreundlich. Die Bedienung erklärt sich praktisch von selbst, ohne dass eine Einweisung nötig wäre.

Lohnt sich eine ETF-Vermögensverwaltung gar nicht?

Für die meisten Anleger lohnt sich eine Vermögensverwaltung nicht. Sie ist nur in ganz bestimmten Ausnahmefällen eine Überlegung wert.

  • Keine Motivation: Sie möchten sich absolut gar nicht um die Geldanlage kümmern, selbst wenn es nur eine einzige Stunde pro Jahr erfordern würde, und sind bereit, dafür Zusatzkosten dauerhaft zu tragen.

  • Fehlende Disziplin: Ihnen fehlt die Disziplin oder die Nervenstärke, um in Crashs und Krisen eine einmal festgelegte Anlagestrategie beizubehalten.

  • Sehr hohes Vermögen: Einer der beiden vorherigen Punkte trifft auf Sie zu, und Ihr Vermögen bewegt sich im mehrfachen Millionenbereich, sodass die Gebühren deutlich unter 0,5 Prozent pro Jahr liegen. 

Aus meiner Sicht haben die meisten Anleger die Disziplin, das Wissen und die Motivation, um sich selbst um Ihre Geldanlage zu kümmern.

Ich empfehle bewusst einfache Strategien aus wenigen ETFs und achte darauf, dass die Aktienquote nicht zu hoch ist. So wird die Verwaltung des Portfolios nicht kompliziert und die ETFs verlieren in Crashs auch nicht zu sehr an Wert, sodass Sie weiter ruhig schlafen können. 

Argumente gegen einen Stundensatz

Zwei Einwände werden oft gegen eine stundenbasierte Honorarberatung vorgebracht:

Einwand 1: „Der Berater kann zu viele Stunden abrechnen.“

Dieses Risiko ist zwar real, aber der Schaden wäre sehr begrenzt. Der Anleger hat am Ende zumindest ein ETF-Portfolio, mit dem er besser Vermögen aufbauen kann als mit teuren Provisionsprodukten.

Zudem hat der Honorarberater ein starkes Eigeninteresse, nicht zu viel Stunden abzurechnen. Er möchte seine Kunden nicht verärgern, sodass diese negative Internet-Bewertungen schreiben. Zudem hofft er darauf, dass ihn Kunden weiterempfehlen oder später erneut Beratung in Anspruch nehmen.

Einwand 2: „Ohne laufende Betreuung verkaufen Anleger im nächsten Crash.“

Ein weiteres Argument für die ETF-Vermögensverwaltung ist, dass Anleger in Krisen nervös werden und verkaufen würden, was die Renidte extrem mindern kann. 

Aus meiner Sicht trifft das nur auf manche Anleger zu. Der Sinn der Honorarberatung ist es gerade, den Anleger dafür zu sensibilisieren, in Krisen ruhig zu bleiben. Die Aktienquote wird dabei so gesetzt, dass das Portfolio nicht zu stark einbricht.

Zudem ist eine laufende Betreuung auch per Stundenhonorar oder über einen Pauschalpreis möglich.

Letztlich macht es keinen Sinn, Prozentgebühren zu verlangen. Der Berater hat nicht mehr Arbeit, nur weil er 10 Millionen Euro statt 100.000 Euro verwaltet. Der Aufwand ist genau gleich.

Fazit: Honorarberatung Stundensatz

Für die meisten Anleger ist eine Honorarberatung auf Stundenbasis besser als eine Vermögensverwaltung. 

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Über den Autor

Elias Huber ist stundenbasierter Honorar-Finanzanlagenberater (§ 34h GewO). Er unterstützt Anleger im Raum Offenburg (Ortenaukreis), Karlsruhe, Freiburg sowie deutschlandweit per Videokonferenz – mit unabhängiger Finanzberatung rund um Geldanlage, Altersvorsorge und Depotanalyse.

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Elias Huber ist Honorar-Finanzanlagenberater (§ 34h GewO). Er unterstützt Anleger im Raum Offenburg (Ortenaukreis), Karlsruhe, Freiburg sowie deutschlandweit per Videokonferenz – mit unabhängiger Finanzberatung rund um Geldanlage und den Vermögensaufbau mit ETFs.

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Elias Huber

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