Honorarberatung Vorteile Nachteile: Lohnt sich das wirklich?

Bei einer Honorarberatung Finanzen fallen Stundensätze von 200 Euro oder mehr an – lohnt sich das wirklich?
Honorarberatung Vorteile Nachteile
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Elias Huber

Honorar-Finanzanlagenberater

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

Was ist der Unterschied zur Provisionsberatung?

Der zentrale Unterschied liegt in der Vergütung. Während ein Provisionsberater durch die Produktanbieter bezahlt wird, erhält ein Honorarberater seine Vergütung ausschließlich vom Kunden.

Dabei gibt es verschiedene Honorarmodelle:

  • Stundensatz: In der Regel 150 bis 300 Euro brutto pro Stunde.

  • Pauschalhonorar: Ein fester Preis für bestimmte Dienstleistungen, etwa eine Finanzplanung oder Depotanalyse.

  • Prozentuale Vergütung: Der Honorarberater verwaltet das Vermögen gegen eine jährliche Gebühr, die bei Vermögen bis 1 Mio. Euro typischerweise zwischen 0,7 und 1,2 % der Anlagesumme liegt.

Der entscheidende Punkt: Honorarberater dürfen – mit der Zulassung nach §34h GewO – keine Provisionen oder andere Gelder von der Finanzbranche annehmen.

„Eine Bank verkauft Finanzprodukte. Ein Honorarberater verkauft Beratung.“

Was sind die Vorteile der Honorarberatung?

Eine unabhängige Finanzberatung kann sechs Vorteile gegenüber einer Provisionsberatung oder Eigenrecherche haben: 

  • Weniger Interessenkonflikte:

Ein Honorarberater unterliegt keinem Verkaufsdruck, weil er vom Kunden bezahlt wird. Er kann frei zwischen allen Finanzprodukten auswählen, was er für am besten erachtet.

Ein Honorarberater auf Stundenbasis kann sogar von einer Kapitalmarktanlage ganz abraten – im Gegensatz zu einem Honorarberater, der ETF-Portfolios verwaltet und den Anreiz hat, den Kunden in seine Vermögensverwaltung zu lotsen. 

  • Kostentransparenz:

Bei Stunden- oder Pauschalhonoraren sind die Kosten klar nachvollziehbar. Der Honorarberater stellt eine Rechnung, auf der die Kosten in Eurobeträgen ausgewiesen sind, und der Kunde muss den Betrag überweisen.

Bei der Provisionsberatung oder der vermögensverwaltenden Honorarberatung ist die Transparenz geringer, da die Gebühren regelmäßig automatisch aus dem Fonds bzw. Depot entnommen werden.

  • Geringere Kosten (bei klassischer Honorarberatung):

Bei Festpreis- oder Stundenmodellen entstehen in der Regel nur einmalige Beratungskosten. Danach fallen keine laufenden Beratungskosten mehr an, weil sich der Anleger langfristig selbst um seine Geldanlage kümmert.

Bei Provisionsberatungen oder vermögensverwaltenden Honorarberatern fallen hingegen jährliche Gebühren an, die rasch 0,8 Prozent der Anlagesumme oder mehr betragen und die Rendite langfristig erheblich mindern können (mehr dazu hier). 

  • Zeitersparnis:

Anleger müssen sich nicht selbst über Monate hinweg in Finanzen und ETFs einarbeiten, sondern haben nach wenigen Terminen eine fertige Finanzlösung. 

  • Fehler vermeiden:

Honorarberater können den Anleger vor Fehlern bewahren, die er auf eigene Faust womöglich begangen hätte, etwa einer falschen Strategie, zu teuren Produkten oder zu geringer Diversifikation. 

  • Vermeidung von Opportunitätskosten:

Durch die Honorarberatung investiert der Anleger rascher. Gerade bei größeren Vermögen kann ein verzögerter Markteinstieg zu hohen entgangenen Gewinnen führen.  

Ein Beispiel: Anleger A investiert nach einer Honorarberatung sofort 200.000 Euro. Steigt der Markt innerhalb eines Jahres um 10 %, erzielt er 20.000 Euro Gewinn.

Anleger B wartet dagegen ein Jahr und erhält in dieser Zeit nur 4000 Euro Tagesgeldzinsen. Anleger A liegt damit um 16.000 Euro minus der Beratungskosten vorne.

  • Emotionale Mehrrendite

Anleger haben nach einer Honorarberatung womöglich mehr innere Ruhe und ruhigeren Schlaf, da sie das Gefühl haben, dass ihr Geld sinnvoll angelegt ist. Bei der Provisionsberatung kann hingegen eher Unsicherheit entstehen, ob die Empfehlungen tatsächlich optimal und unabhängig von Verkaufsinteressen waren.

Was sind die Nachteile der Honorarberatung?

Auch bei der Honorarberatung gibt es Nachteile:

  • Überhöhter Stundenaufwand: Es besteht das Risiko, dass ein Stundenberater mehr Zeit für Analyse und Beratung abrechnet als er tatsächlich benötigt hat (mehr dazu hier).

  • Unnötige Dienstleistungen: Bei Pauschalhonoraren können Leistungspakete verkauft werden, die nicht nötig sind – etwa eine umfassende Finanzplanung für Berufsanfänger.

  • Teure ETF-Vermögensverwaltung: Der Honorarberater kann hohe Gebühren für die Verwaltung eines ETF-Portfolios berechnen. Viele Honorarberater langen hier kräftig zu und verlangen 0,7 bis 1,2 % pro Jahr bei Vermögen unter einer Million Euro. Bei 600.000 Euro und 1 % Gebühr sind das 6000 Euro in einem Jahr. In aller Regel ist eine ETF-Vermögensverwaltung für Anleger nicht notwendig, wie ich hier erkläre.

  • Interessenkonflikte durch Mischmodelle: Nachteilig kann es werden, wenn ein Honorarberater zwar im Geldanlagebereich auf Honorarbasis arbeitet, in anderen Bereichen aber weiterhin Provisionen erhalten darf – etwa bei Versicherungen. Dadurch können Interessenkonflikte entstehen; etwa der Anreiz, ETFs mit Versicherungen zu kombinieren (mehr dazu hier).

Dennoch sind die Fehlanreize bei einem Honorarberater wesentlich überschaubarer als bei reinen Provisionsmodellen.

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Wann ist eine Honorarberatung sinnvoll?

Eine Honorarberatung lohnt sich grundsätzlich für viele Anleger, auch für Kleinanleger. Langfristig ist sie regelmäßig die günstigere Lösung, wenn man Eigenrecherche außen vor lässt.

Das zeigt ein Beispiel: Gehen wir von zwei Anlegern aus – einer nutzt Honorarberatung, der andere Provisionsberatung. Beide erzielen vor Kosten die gleiche Rendite und unterscheiden sich nur in den Beratungs- und Produktkosten. Es gilt:

  • Anlagesumme: 30.000 Euro

  • Sparrate: 150 Euro monatlich

  • Einmaliges Beratungshonorar: 1500 Euro, dazu 0,2 % ETF-Kosten

  • Provisionsberatung: 1 % laufende Beratungs- und Produktkosten pro Jahr

Das Ergebnis: Nach 10 Jahren liegt die Honorarberatung um über 2000 Euro vorne, nach 20 Jahren hat der Honorarberatungs-Anleger 9 Prozent mehr Endvermögen vor Steuern (siehe Tabelle).

Die Annahmen sind bewusst konservativ gewählt und tendenziell eher nachteilig für die Honorarberatung, da bei der Provisionsberatung die laufenden Kosten eher niedrig angesetzt sind und keine Ausgabeaufschläge anfallen.

Honorarberatung und Provisionsberatung im Vergleich (Beispiel)

Annahmen: 30.000 € Anlagesumme, 150 € monatliche Sparrate, Honorar wird aus der Anlagesumme entnommen, gleiche Kapitalmarktrendite vor Kosten (Nettorenditen: 5 % p. a. in der Honorarberatung, 4,2 % p. a. in der Provisionsberatung).

Honorarberatung
Provisionsberatung
Angenommene Kosten
0,2 % pro Jahr ETF-Gebühren, 1500 Euro Honorar
1 % pro Jahr Fondsgebühren (inkl. Provisionen)
Zeitpunkt, zu dem mehr Vermögen vorhanden ist
5 Jahre und 9 Monate
-
Vermögen nach 10 Jahren
69.700 Euro (+3 %)
67.600 Euro
Vermögen nach 20 Jahren
136.000 Euro (+9 %)
124.000 Euro

Quelle: Eigene Berechnungen.

*Hinweis: Die Werte dienen nur der Veranschaulichung und sind keine Garantie für zukünftige Entwicklungen.

Wichtig zu beachten: Je höher das Vermögen oder die monatliche Sparrate, desto stärker lohnt sich das Stundenhonorar.

Die Kosten der Provisionsberatung bemessen sich nämlich prozentual an der Anlagesumme und steigen mit zunehmendem Vermögen an. Das Stundenhonorar bleibt hingegen gleich.

Was sagen Verbraucherzentrale und Experten zur Honorarberatung?

Verbraucherschützer äußern sich regelmäßig kritisch zu Provisionen in der Finanzberatung:

  • Die Verbraucherzentralen sehen auf ihrer Internetseite in Provisionen „ein Problem“. Verbraucher würden „über versteckte Kosten und offene Provisionen bereits ein Vielfaches dessen bezahlen, was angesichts des überschaubaren Beratungsaufwands überhaupt notwendig wäre“. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert daher sogar ein gesetzliches Provisionsverbot.

„Wenn Sie krank sind, gehen Sie zum Arzt und nicht zum Pharmavertreter. Warum sollte das bei der Geldanlage anders sein?“

  • Auch der Finanzprofessor und Verbraucherschützer Hartmut Walz spricht sich für ein Provisionsverbot aus. Der Kunde unterschätze, wie hoch solche Provisionen tatsächlich seien, und nehme irrtümlich an, Provisionsberatung sei kostenlos, schreibt er auf seinem Blog.

Fazit: Honorarberatung Vor- und Nachteile

Eine Honorarberatung auf Stundenbasis ist gegenüber einer Provisionsberatung im Bereich Geldanlage klar zu bevorzugen.

Häufige Fragen (FAQ)

Die Honorarberatung reduziert Interessenkonflikte, da der Berater ausschließlich vom Kunden bezahlt wird und keine Provisionen erhält. Zudem sind die Kosten bei Stunden- oder Festpreismodellen transparent und langfristig in der Regel geringer als bei der Provisionsberatung. Weitere Vorteile sind Zeitersparnis, Fehlervermeidung, mehr innere Ruhe sowie die Vermeidung entgangener Gewinne durch einen verzögerten Einstieg in die Geldanlage.

Nachteile entstehen vor allem durch das Risiko einer Überabrechnung bei Stundensätzen oder durch den Verkauf unnötiger Leistungen bei Pauschalhonoraren. Zusätzlich können bei vermögensverwaltenden Modellen laufende Gebühren von 0,7 bis 1,2 % pro Jahr anfallen, die die Rendite belasten. Außerdem können auch echte Honorarberater im Versicherungsbereich Provisionen annehmen, sofern sie zusätzlich als Versicherungsvermittler oder -makler zugelassen sind, was zu Interessenkonflikten führen kann.

Die Kosten liegen typischerweise zwischen 150 und 300 Euro brutto pro Stunde. Alternativ gibt es Pauschalhonorare für konkrete Leistungen, die sich in der Regel im niedrigen bis mittleren vierstelligen Bereich bewegen, oder laufende Gebühren bei der Vermögensverwaltung von 0,7 bis 1,2 % brutto pro Jahr.

Eine Honorarberatung Finanzen kann sich lohnen, da sie langfristig regelmäßig günstiger ist als eine Provisionsberatung. Besonders bei größeren Vermögen können einmalige Beratungskosten die laufenden Kosten von Provisionsmodellen enorm unterschreiten. Dadurch kann sich die Honorarberatung bereits nach wenigen Jahren oder sogar unmittelbar finanziell positiv auswirken.

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Über den Autor

Elias Huber ist Honorarberater auf Stundenbasis (mit Zulassung nach § 34h GewO, die die Annahme von Provisionen verbietet). Er unterstützt Anleger im Raum Offenburg (Ortenaukreis), Karlsruhe, Freiburg sowie deutschlandweit per Videokonferenz – mit unabhängiger Finanzberatung rund um Geldanlage und Depotanalyse.

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Elias Huber ist Honorarberater auf Stundenbasis (mit Zulassung nach § 34h GewO, die die Annahme von Provisionen verbietet). Er unterstützt Anleger im Raum Offenburg (Ortenaukreis), Karlsruhe, Freiburg sowie deutschlandweit per Videokonferenz – mit unabhängiger Finanzberatung rund um Geldanlage und Depotanalyse.

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