MSCI World Equal Weight vs MSCI World: Welcher ETF ist besser?

Der gleichgewichtete ETF reduziert die Klumpenrisiken klassischer Welt-ETFs – weicht dafür aber deutlich vom Markt ab.
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Elias Huber

Honorar-Finanzanlagenberater

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

Was ist der MSCI World Equal Weight?

Viele Anleger sehen den hohen USA- und Tech-Anteil im normalen MSCI World kritisch. Genau hier setzen ETFs wie der Invesco MSCI World Equal Weight an (ISIN: IE000OEF25S1).

Sie investieren in dieselben rund 1300 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Der Unterschied liegt nur in der Gewichtung.

Während MSCI World ETFs die größten Unternehmen am stärksten gewichten, hat beim Equal-Weight-Ansatz jede Aktie das gleiche Gewicht.

In regelmäßigen Abständen wird diese Gleichgewichtung durch ein sogenanntes Rebalancing wiederhergestellt. Aktien mit starker Kursentwicklung werden dabei reduziert, schwächere Werte wieder gekauft.

Vorteile von MSCI World Equal Weight ETFs

Die Gleichgewichtung bietet gegenüber dem marktkapitalisierten MSCI World vor allem zwei Vorteile:

Weniger USA- und Tech-Konzentration

Der größte Vorteil ist die ausgewogenere Streuung über Unternehmen, Länder und Branchen.

Obwohl dieselben Aktien enthalten sind wie im normalen MSCI World, haben die USA deutlich weniger Gewicht (Mai 2026: 42 statt 72 Prozent).

Auch einzelne Unternehmen dominieren den ETF kaum noch. Die zehn größten Aktien machen nur rund 1 Prozent aus. Beim klassischen MSCI World liegt ihr Anteil dagegen bei 27 Prozent.

Während Nvidia im normalen MSCI World fast 6 Prozent ausmacht, liegt das Gewicht der größten Aktie bei dem gleichgewichteten Ansatz unter 0,2 Prozent. Auch Tech-Unternehmen haben deutlich weniger Gewicht. 

Zusammensetzung MSCI World Equal Weight vs. MSCI World
MSCI World Equal Weight
MSCI World
Zahl der Aktien
1310
1310
Top 10
1,4 %
27,0 %
Größtes Unternehmen
Marvell Technology (0,16 %)
Nvidia (5,6 %)
USA
42 %
72 %
Die drei größten Länder
61 %
82 %
Größte Branche
Industrie (19 %)
Technologie (28 %)

Quelle: Index-Factsheets von MSCI (Stand: 30. April 2026)

„Für meinen Geschmack greift der MSCI World Equal Weight zu stark in die Marktgewichtung ein. Man darf nicht vergessen, dass die Tech-Unternehmen in klassischen Welt-ETFs nicht ohne Grund so hoch gewichtet sind: Sie gehören zu den erfolgreichsten Unternehmen der vergangenen Jahre, erzielen aktuell hohe Gewinne und die Marktteilnehmer schätzen auch ihre zukünftigen Geschäftsaussichten sehr positiv ein.“

Historisch oft höhere Renditen

Studien zeigen, dass gleichgewichtete Strategien historisch häufig besser abschnitten als klassische marktkapitalisierte Indizes.

Der Grund: Durch die Gleichgewichtung erhalten kleinere Unternehmen (Small Caps) und niedrig bewertete Aktien (Value) ein höheres Gewicht. Diese Aktien erzielten historisch höhere Renditen.

Etwa bestätigt das auch die Studie “Equal-weighted strategy: Why it outperforms value-weighted strategies? Theory and evidence”

Die Autoren verglichen den S&P 500 mit seiner gleichgewichteten Variante zwischen 1926 und 2014. Die Equal-Weight-Strategie erzielte dabei nicht nur höhere Renditen, sondern auch ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis (Sharpe Ratio).

In einer Monte-Carlo-Simulation mit 10.000 Durchläufen lag die Gleichgewichtung in 54 Prozent der Fälle vorne.

Allerdings lässt sich daraus nicht ableiten, dass Equal-Weight-ETFs auch künftig besser laufen werden. Etwa lagen sie in den vergangenen 15 Jahren weit hinter klassischen Welt-ETFs zurück.

„Letztlich kann niemand wissen, ob der MSCI World oder der MSCI World Equal Weight in den nächsten 20 oder 30 Jahren besser laufen wird. Entscheidend für den Vermögensaufbau ist daher weniger die ETF-Wahl, sondern eine ausreichend hohe Aktienquote, eine ordentliche Sparrate und vor allem die langfristige Disziplin, eine einmal gewählte Strategie beizubehalten.“

Nachteile von MSCI World Equal Weight ETFs

Natürlich hat ein gleichgewichteter Welt-ETF auch einige Nachteile:

Höhere Transaktionskosten

MSCI World Equal Weight ETFs müssen regelmäßig Aktien verkaufen und kaufen, um die Gleichgewichtung wiederherzustellen.

Dadurch entstehen höhere interne Handelskosten als bei klassischen MSCI World ETFs.

Im Basisinformationsblatt des Invesco MSCI World Equal Weight ETFs werden die Transaktionskosten mit 0,1 Prozent pro Jahr geschätzt. Zum Vergleich: Normale MSCI World ETFs liegen bei 0 oder 0,01 Prozent.

Die historische Outperformance hätte diese zusätzlichen Kosten laut der erwähnten Studie allerdings mehr als ausgeglichen.

MSCI World Equal Weight vs MSCI World: Das Problem der Underperformance

Das größere Problem ist psychologischer Natur. Wenn ein Equal-Weight-ETF über Jahre schlechter läuft als der normale MSCI World, könnten Anleger ihre Entscheidung infrage stellen und die Strategie wechseln.

Dieses sogenannte Performance Chasing führte in der Vergangenheit oft zu einer niedrigeren Rendite.

Da sich die Gewichtung stark unterscheidet, kann sich ein MSCI World ETF auch über sehr lange Zeiträume deutlich schwächer entwickeln als ein normaler MSCI World. Zwei Beispiele:

  • Seit Auflage im September 2024 entwickelte sich der Invesco MSCI World Equal Weight ETF schwächer als ein klassischer MSCI World ETF (Euro-Gesamtrendite bis Mai 2026: 24 vs. 31 Prozent).

  • Noch deutlicher fällt der Unterschied langfristig aus: Seit 2011 stieg der MSCI World Index auf US-Dollar-Basis um 476 Prozent, die Equal-Weight-Variante dagegen nur um 329 Prozent. Aus 100.000 US-Dollar wären damit 576.000 US-Dollar geworden – beim gleichgewichteten Index hingegen nur 429.000 US-Dollar.

Wenn Sie sich für einen Equal-Weight-ETF entscheiden, sollten Sie daher längere Phasen der Underperformance aushalten können.

MSCI World Equal Weight vs. MSCI World Performance
Der MSCI World Equal Weight hat sich in den letzten 15 Jahren deutlich schlechter entwickelt als der MSCI World (US-Dollar-Basis).

Kaum ETF-Auswahl

Bisher gibt es nur wenige ETFs auf den MSCI World Equal Weight Index.

Neben dem ETF von Invesco gibt es noch den BNP Paribas Easy MSCI World Equal Weight Select ETF (ISIN: IE000ALI2E45), der die Aktien allerdings nach ESG-Kriterien filtert und daher nur circa 1000 Titel enthält. 

Sollte ein ETF geschlossen werden oder ein Wechsel notwendig sein, existieren kaum Alternativen.

Ein weiterer Nachteil: Die verfügbaren ETFs sind bisher ausschließlich thesaurierend. Ausschüttende Varianten gibt es nicht.

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Höhere Kursschwankungen

MSCI World Equal Weight ETFs schwanken meist stärker als klassische Welt-ETFs. Auch in Krisen können die Verluste höher ausfallen (siehe Bild).

Das liegt daran, dass gleichgewichtete ETFs stärker in kleinere (Small Caps) und niedrig bewertete Unternehmen (Value) investieren.

Solche Firmen sind tendenziell höher verschuldet und speziell kleine Unternehmen sind eher weniger gut diversifiziert, etwa über Absatzmärkte oder Geschäftsfelder. 

Der MSCI World Equal Weight schwankt etwas stärker (höhere Volatilität) und ist in Krisen bereits deutlicher eingebrochen (höherer maximaler Drawdown).

Für wen ist ein MSCI World Equal Weight ETF sinnvoll?

Ein MSCI World Equal Weight ETF eignet sich vor allem für Anleger, die bewusst weniger stark in die US-Tech-Konzerne investieren möchten.

Auch wer an eine langfristige Outperformance von Small Caps und Value-Aktien glaubt, könnte darauf setzen.

Der ETF kann dabei sowohl als alleiniger Aktien-ETF als auch als Ergänzung zu einem Schwellenländer-ETF genutzt werden.

„Wenn ich von der Marktkapitalisierung abweichen will, würde ich eher global streuende Multifaktor-ETFs nutzen statt einen MSCI World Equal Weight ETF – die streuen breiter und bleiben näher an der Marktentwicklung.“

Wenn Sie bereits in einen normalen MSCI World ETF investieren, ist ein zusätzlicher Equal-Weight-ETF dagegen in aller Regel nicht sinnvoll. Beide ETFs überschneiden sich stark, wodurch das Portfolio unnötig komplex wird.

Wichtig ist außerdem, dass Sie längere Phasen schwächerer Renditen aushalten können.

Fazit: Invesco MSCI World Equal Weight ETF

Ein gleichgewichteter Welt-ETF eignet sich vor allem für risikobereite und disziplinierte Anleger.

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Über den Autor

Elias Huber ist Honorarberater auf Stundenbasis (mit Zulassung nach § 34h GewO, die die Annahme von Provisionen verbietet). Er unterstützt Anleger im Raum Offenburg (Ortenaukreis), Karlsruhe, Freiburg sowie deutschlandweit per Videokonferenz – mit unabhängiger Finanzberatung rund um Geldanlage und Depotanalyse.

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