ETFs oder Fonds: Was ist besser?

Die meisten Banken empfehlen aktiv gemanagte Fonds – doch Untersuchungen und unabhängige Experten kommen zu einer ganz anderen Einschätzung.
Fonds oder ETF
Bild von Elias Huber
Elias Huber

Honorar-Finanzanlagenberater

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

Fonds oder ETFs – was ist der Unterschied?

ETFs (Exchange Traded Funds) sind börsengehandelte Fonds, die meist einen Index wie den DAX oder MSCI World nachbilden. Der ETF kauft „passiv“ die Aktien entsprechend der Gewichtung im Index.

Aktive Fonds funktionieren anders: Hier entscheidet ein Fondsmanager, welche Aktien gekauft oder verkauft werden. Ziel ist es, besser abzuschneiden als der Index. 

Was sind die Vorteile von ETFs?

Günstige Welt-ETFs schneiden in einer ganzen Reihe von Vergleichskriterien besser ab – etwa Kosten, Diversikation und Performance. 

Rendite – Nur wenige aktive Fonds schlagen ETFs

Zahlreiche Untersuchungen zeigen: Die meisten aktiven Fonds bleiben langfristig hinter vergleichbaren ETFs zurück. Laut dem Aktiv-Passiv-Barometer von Morningstar konnten über einen Zeitraum von 20 Jahren weniger als zehn Prozent der aktiven Aktienfonds den Durchschnitt vergleichbarer ETFs und anderer passiver Fonds schlagen (siehe Bild).

Dafür analysierte Morningstar mehr als 30.000 Fonds und ETFs aus Europa und verglich aktive Fonds jeweils mit passiven Fonds und ETFs derselben Kategorie – etwa „Aktien Welt“ oder „Aktien Deutschland“.

Anteil aktiver Fonds, die je nach Anlagezeitraum passive Fonds und ETFs schlagen (grün)

Kosten – ETFs sind deutlich günstiger

Aktive Aktienfonds verlangen oft jährliche Gebühren von rund 1,5 Prozent. Hinzu kommen manchmal Erfolgsgebühren und einmalige Einstiegsgebühren.

Welt-ETFs kosten dagegen meist nur 0,1 bis 0,2 Prozent pro Jahr und verzichten auf Erfolgs- und Einstiegsgebühren.

Die niedrigeren Kosten können langfristig einen großen Unterschied machen: Nach 10 oder 20 Jahren kann das Endvermögen um 20 Prozent höher ausfallen (siehe Tabelle).

Kosten von ETFs und Fonds im Vergleich*

Annahme: 7 % Rendite pro Jahr (vor Fonds- und ETF-Kosten), 100.000 Euro Anlagesumme

ETF
Aktiver Fonds
Jährliche Kosten
0,2 %
1,5 %
Vermögen nach 10 Jahren
193.000 Euro
171.000 Euro (-11 %)
Vermögen nach 20 Jahren
373.000 Euro
292.000 Euro (-22 %)

Quelle: Eigene Berechnungen

*Ohne Steuern. Zahlen in Klammern zeigen, wie viel Prozent weniger Endvermögen Fondsanleger im Vergleich zu ETF-Anlegern haben.

Diversifikation – Breite Streuung bei ETFs

Weltweit investierende ETFs enthalten oft mehrere tausend Aktien aus Industrie- und Schwellenländern. Dadurch sind Anleger weniger betroffen, wenn sich einzelne Unternehmen oder Branchen schwach entwickeln.

Viele aktive Fonds investieren dagegen deutlich konzentrierter und enthalten oft nur wenige Dutzend Aktien.

Stabil – ETFs werden seltener geschlossen

ETFs werden außerdem seltener geschlossen oder mit anderen Fonds fusioniert als aktive Welt-Aktienfonds.

Laut dem Aktiv-Passiv-Barometer von Morningstar waren nach zehn Jahren noch 71 Prozent der weltweit investierenden passiven Fonds und ETFs am Markt, aber nur 58 Prozent der aktiven Fonds (siehe Tabelle).

Fondsschließungen sind ärgerlich: Anleger müssen die Kursgewinne vorzeitig versteuern, wodurch weniger Geld übrig bleibt, das weitere Zugewinne abwerfen kann. Zudem müssen sie sich um die Neuanlage des Geldes kümmern. 

So viele weltweit streuenden, aktiven Fonds und passiven ETFs wurden weder geschlossen noch fusioniert
Zeitraum
Aktive Fonds
Passive Fonds (z.B. ETFs)
Nach 3 Jahren
87 %
90 %
Nach 5 Jahren
79 %
87 %
Nach 10 Jahren
58 %
71 %

Quelle: European Active/Passive Barometer Full-Year 2025 Edition

*Stand: Zum 31. Dezember 2025. Verglichen wurden 1823 aktive Fonds und 346 passive Fonds mit Sitz in Europa, die weltweit in Aktien von großen Unternehmen investieren (Kategorie: Global Large-Cap Blend Equity). Angegeben ist die Überlebensrate in Prozent.

Lohnt es sich, die besten aktiven Fonds zu kaufen?

Man könnte nun einwenden, dass Anleger einfach die wenigen aktiven Fonds kaufen könnten, die besser abschneiden als ETFs. Genau das ist jedoch äußerst schwierig.

Das Problem: Die erfolgreichen Fondsmanager wechseln ständig. Eine hohe Rendite in der Vergangenheit ist daher keine verlässliche Garantie für künftige Outperformance. Oft entstehen hohe Renditen nur durch Glück.

„Wer auf die Gewinner-Fonds der Vergangenheit setzt, riskiert damit Schiffbruch zu erleiden.“

Das zeigt auch die SPIVA Persistence Scorecard des Indexanbieters S&P. Von den Fonds, die über einen Zeitraum von fünf Jahren zu den besten 25 Prozent ihrer Gruppe gehörten, schafft es nur ein kleiner Teil, in den folgenden fünf Jahren ebenfalls zu den Top 25 Prozent zu gehören. 

Der Anteil liegt in zahlreichen Kategorien unter 20 Prozent. Das ist bemerkenswert, da es allein durch Glück mindestens wieder 25 Prozent schaffen sollten (siehe Tabelle).

Nur eine Minderheit der besten Fonds bleibt dauerhaft in der Spitzengruppe

So viele der Fonds, die von 2015 bis 2020 zu den besten 25 % gehörten, schafften es auch von 2020 bis 2025 unter die besten 25 %.

Anlageschwerpunkt
Fonds in den besten 25 % (2015–2020)
Davon erneut in den besten 25 % (2020–2025)
Aktien Europa
196
5 %
Aktien Eurozone
115
11 %
Aktien weltweit
204
18 %
Aktien Schwellenländer
58
19 %
Aktien USA
60
17 %

Selbst langjährige Outperformance bietet keine Sicherheit: Der Hedgefondsmanager Julian Robertson schlug mit seinem Tiger Fund den US-Aktienmarkt fast 20 Jahre lang, bevor der Fonds nach hohen Verlusten geschlossen wurde.

Bill Miller übertraf den S&P 500 fünfzehn Jahre in Folge, aber blieb im Anschluss viele Jahre hinter dem Markt zurück.

Gewinnerfonds im Voraus zu identifizieren, ist daher äußerst schwierig bis nahezu unmöglich.

Warum schlagen die meisten Fondsmanager ETFs nicht?

Ein wichtiger Grund sind die höheren Gebühren. Die Zusatzkosten von oft über einem Prozentpunkt pro Jahr müssen erst einmal durch bessere Renditen wieder hereingeholt werden. Das ist langfristig extrem schwierig.

Hinzu kommt der intensive Wettbewerb an den Finanzmärkten. Neue Informationen verbreiten sich heutzutage aufgrund moderner Kommunikationsmittel rasend schnell und die Kurse an der Börse reagieren innerhalb von Sekunden oder Minuten.

Dadurch haben Fondsmanager kaum noch einen Informationsvorsprung, den sie in Überrenditen ummünzen könnten.

Ist Ihr Depot sinnvoll aufgebaut?

Im unverbindlichen Info-Gespräch zur Honorarberatung erhalten Sie eine unabhängige Zweitmeinung.

Verbreitete Irrtümer über ETFs

Rund um das Thema ETF oder Fonds kursieren einige Missverständnisse, insbesondere was die Renditen von ETFs betrifft.

Irrtum 1: ETFs bringen nur Durchschnittsrendite

Diese Aussage ist verkürzt dargestellt. Zwar bilden ETFs die Entwicklung eines Marktindex ab und liefern damit die entsprechende Marktrendite, doch aufgrund der deutlich geringeren Kosten schneiden sie langfristig meistens besser ab als die Mehrheit aktiver Fonds.

Untersuchungen zeigen, dass über 90 Prozent der aktiven Fonds langfristig hinter vergleichbaren passiven ETFs zurückbleiben. ETFs liefern somit nicht nur „Durchschnitt“, sondern sind nach Kosten weit überduchschnittlich.  

Irrtum 2: Aktive Fonds sind besser in Crashs

Diese Aussage ist falsch. Untersuchungen zeigen, dass aktive Fonds auch in Crashphasen und Rezessionen im Durchschnitt schlechter abschneiden als passive Indexanlagen.

So berichteten beispielsweise Forscher der Universität St. Gallen in einer Studie aus dem Jahr 2014, dass aktive Fonds in Wirtschaftsabschwüngen im Schnitt um 0,4 Prozent pro Monat hinter einem Vergleichsindex zurücklagen. Die Forscher untersuchten Rezessionen in 16 Ländern zwischen 1980 und 2010.

Auch die Ratingagentur Morningstar stellte fest, dass aktive Fonds in den ersten fünf Monaten des turbulenten Jahres 2022 hinter ETFs zurückblieben.

Irrtum 3: Aktive Fonds lohnen sich bei „ineffizienten“ Kapitalmärkten

Häufig wird argumentiert, dass aktive Fonds bei Nischenmärkten sinnvoll seien.

Die Begründung dahinter: In Märkten wie Schwellenländern oder Smallcaps (kleine Unternehmen) seien Informationen weniger rasch in den Kursen berücksichtigt, wodurch Fondsmanager eher Fehlbewertungen ausnutzen und einen Indexfonds leichter schlagen könnten.

Die Zahlen sprechen jedoch eine andere Sprache. Auch aktive Fonds, die in Schwellenländer oder Smallcaps investieren, sind deutlich teurer als indexbasierte ETFs, und müssen diese Mehrkosten erst einmal augleichen. Das gelingt den meisten nicht.

Das Aktiv-Passiv-Barometer 2025 von Morningstar bestätigt das: Selbst in Nischenmärkten bleibt die Mehrheit aktiver Fonds hinter passiven Produkten zurück.

Was sagen Experten über ETFs und Fonds?

Unabhängige Experten und Verbraucherschützer raten Privatanlegern tendenziell zu weltweit streuenden, kostengünstigen Aktien-ETFs:

  • So schreibt die Verbraucherzentrale auf ihrer Internetseite: „ETFs sind, sofern Sie einen breit diversifizierten Index nachbilden, gegenüber aktiv gemanagten Fonds klar die bessere Alternative.“

  • Der Kapitalmarktforscher Olaf Stotz von der Frankfurt School of Management & Finance erklärt gegenüber einem Onlinemedium: „Bei Aktienanlagen würde ich Privatanlegern tendenziell zu passiven ETFs raten.“

  • Hartmut Walz, Finanzökonom der Hochschule Ludwigshafen, äußert sich gegenüber dem Onlinemedium ebenfalls ablehnend über aktive Fonds.

Fazit: ETFs oder Fonds

Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, fährt mit günstigen Welt-ETFs in aller Regel besser als mit aktiv gemanagten Fonds.

Häufige Fragen (FAQ)

ETFs bilden einen Index nach und folgen damit festen Regeln, während bei aktiven Fonds ein Fondsmanager entscheidet, welche Wertpapiere gekauft und verkauft werden. ETFs sind dadurch in der Regel deutlich günstiger und liefern eine durchschnittliche Marktrendite. Aktive Fonds können sowohl besser als auch schlechter als der breite Markt laufen.

Für den langfristigen Vermögensaufbau sind ETFs für in aller Regel die sinnvollere Wahl, da sie kostengünstig und breit diversifiziert sind. Aktiv gemanagte Fonds können zwar zeitweise besser laufen, bleiben aber langfristig im Durchschnitt hinter vergleichbaren ETFs zurück.

ETFs sind meist sehr günstig und liegen typischerweise bei 0,1 bis 0,3 Prozent jährlichen Kosten (TER). Aktive Fonds sind deutlich teurer und bewegen sich häufig zwischen 1,0 und 2,0 Prozent pro Jahr, teilweise zusätzlich mit Ausgabeaufschlägen oder Erfolgsgebühren. Über lange Zeiträume kann dieser Unterschied einen erheblichen Einfluss auf die Endrendite haben.

Das liegt vor allem an den höheren Kosten, denn aktive Fonds sind oft um einen Prozentpunkt oder mehr pro Jahr teurer als ETFs. Diesen Nachteil muss der Fonds erst einmal durch bessere Entscheidungen ausgleichen, um überhaupt mit einem ETF gleichzuziehen. Zudem spiegelt der aktuelle Kurs einer Aktie bereits im Wesentlichen alle Informationen wider, die über ein Unternehmen bekannt sind, weshalb Fondsmanager kaum noch einen Informationsvorsprung haben, von dem sie profitieren könnten.

Das ist in der Praxis sehr schwierig, da die erfolgreichen Fonds ständig wechseln. Selbst Fonds, die über 15 Jahre und mehr überdurchschnittlich gelaufen sind, sind im Anschluss deutlich schwächer gelaufen als der breite Markt. Deshalb ist es kaum möglich, Gewinnerfonds zuverlässig im Voraus zu identifizieren.

Bild von Über den Autor

Über den Autor

Elias Huber ist Honorarberater auf Stundenbasis (mit Zulassung nach § 34h GewO, die die Annahme von Provisionen verbietet). Er unterstützt Anleger im Raum Offenburg (Ortenaukreis), Karlsruhe, Freiburg sowie deutschlandweit per Videokonferenz – mit unabhängiger Finanzberatung rund um Geldanlage und Depotanalyse.

Bild von Über den Autor

Über den Autor

Elias Huber ist Honorarberater auf Stundenbasis (mit Zulassung nach § 34h GewO, die die Annahme von Provisionen verbietet). Er unterstützt Anleger im Raum Offenburg (Ortenaukreis), Karlsruhe, Freiburg sowie deutschlandweit per Videokonferenz – mit unabhängiger Finanzberatung rund um Geldanlage und Depotanalyse.

Bild von Elias Huber
Elias Huber

Honorar-Finanzanlagenberater

Ist Ihr Depot sinnvoll aufgebaut?

Im unverbindlichen Info-Gespräch zur Honorarberatung erhalten Sie eine unabhängige Zweitmeinung.

Sie möchten eine Zweitmeinung zu Ihren Fonds?

Im unverbindlichen Erstgespräch schaue ich, ob sich Ihr Portfolio verbessern lässt.

Nach oben scrollen