Gerd Kommer ETF Kritik: Besser als der MSCI World?

Der Gerd Kommer ETF setzt auf Faktor-Investing statt Marktgewichtung – was bringt das in der Praxis?
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Elias Huber

Honorar-Finanzanlagenberater

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

Was ist der Gerd Kommer ETF?

Der Gerd Kommer ETF, offiziell als L&G Gerd Kommer Multifactor Equity UCITS ETF bekannt, wurde von dem Finanzökonomen und Vermögensverwalter Gerd Kommer ins Leben gerufen. Er kombiniert eine weltweite Streuung mit einer faktorbasierten Anlagestrategie.

Der ETF ist sehr beliebt: In den ersten drei Jahren konnte er über eine Milliarde Euro an Anlegergeldern einsammeln. Es ist eine thesaurierende (ISIN: IE000FPWSL69) und eine ausschüttende Variante (ISIN: IE0001UQQ933) verfügbar. 

Der ETF repliziert physisch, das heißt, er kauft die Aktien aus dem zugrunde liegenden Index. Derzeit enthält er rund 4200 Aktien aus Industrie- und Schwellenländern aller Unternehmensgrößen.

Wie funktioniert der Gerd Kommer ETF?

Der Gerd Kommer ETF verfolgt eine Strategie, die als Faktor-Investing oder Smart Beta bezeichnet wird. Anders als bei normalen Indizes wie dem MSCI World, bei denen Unternehmen nach ihrem Börsenwert gewichtet werden, gewichtet der Kommer-ETF Unternehmen höher, die bestimmte Merkmale aufweisen.

Diese Merkmale, auch Faktoren genannt, sollen langfristig die Rendite und Kursschwankungen der Aktien beeinflussen und zu einer höheren Rendite als bei kapitalisierungsgewichteten Indizes führen.

Der Gerd Kommer ETF berücksichtigt sechs Faktoren:

  • Size: Die Unternehmensgröße, gemessen am Börsenwert.

  • Value: Die Bewertung des Unternehmens basierend auf Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis oder dem Kurs-Buchwert-Verhältnis.

  • Quality: Unternehmen, die sich durch vergleichsweise hohe Gewinne und eine niedrige Verschuldung auszeichnen.

  • Momentum: Aktien, deren Kurse in den vergangenen Monaten überdurchschnittlich gestiegen sind.

  • Investment: Unternehmen, deren Bilanzsumme relativ langsam wächst.

  • Political Risk: Aktien aus Schwellenländern, im Gegensatz zu politisch stabileren Ländern.

Multifaktor-ETFs wie der Kommer-ETF kombinieren mehrere dieser Faktorstrategien. Die Idee dahinter ist, dass eine Unterperformance eines Faktors durch die bessere Entwicklung anderer Faktoren ausgeglichen werden soll, um so die Gesamtperformance des ETFs über dem Marktdurchschnitt zu halten.

Das übergeordnete Ziel des Faktor-Investings ist es, höhere Renditen als normale Welt-ETFs zu erzielen. In einem Youtube-Interview erklärte Gerd Kommer, er strebe eine Mehrrendite von 1 bis 1,5 Prozentpunkten pro Jahr gegenüber einem MSCI World ETF an, unter Berücksichtigung der höheren Kosten seines ETFs.

Gerd Kommer ETF vs. MSCI World

Bisher liegt der ETF allerdings hinter MSCI World ETFs zurück. Während der größte MSCI World ETF bis Mai 2026 um 58 Prozent zulegte, erreichte der Kommer-ETF lediglich 56 Prozent.

Vergleicht man mit dem SPDR MSCI ACWI IMI, einem Welt-ETF, der auch Smallcaps und Schwellenländer enthält, liegt der ETF ebenfalls zurück (-3 Prozentpunkte).

Insgesamt liegt also der Kommer ETF hinten und zwar zwischen 0,5 und 0,7 Prozentpunkten pro Jahr (Stand: Mai 2026). Das ist mehr als der Kostennachteil von 0,3 Prozentpunkten, den er gegenüber günstigeren Welt-ETFs hat. 

Gleichwohl ist die bisherige Beobachtungszeit noch relativ kurz, um ein abschließendes Urteil über die Strategie zu fällen. 

Performance-Vergleich des Kommer-ETFs zu Welt-ETFs

Kosten des Gerd Kommer ETFs im Vergleich

Eine Ursache der Underperformance dürften die höheren Kosten sein. Die Total Expense Ratio (TER) liegt bei 0,45 Prozent – typische Welt-ETFs kosten weniger als die Hälfte. 

Auch unter allen globalen Multifaktor-ETFs ist der Kommer-ETF vergleichsweise teuer.

Ein paar Beispiele:

  • Der World Equity Fund von Dimensional Fund Advisors kostet 0,35 Prozent und investiert wie der Kommer-ETF über eine Multifaktorstrategie in Industrie- und Schwellenländer aller Unternehmensgrößen.

  • Der Global Core Equity ETF von Dimensional liegt bei nur 0,26 Prozent, enthält dafür allerdings keine Schwellenländer (ebenfalls ein Multifaktor-ETF).

  • Der SPDR MSCI ACWI IMI, ein marktkapitalisierter Welt-ETF mit Industrie- und Schwellenländern sowie Small Caps, kostet nur 0,17 Prozent.

  • Ein Portfolio aus zwei marktkapitalisierten Welt-ETFs, in dem die USA gezielt untergewichtet sind, ist sogar für rund 0,1 Prozent Gesamtkosten realisierbar.

Um die Auswirkungen der Kosten zu verdeutlichen, vergleichen wir ein Portfolio mit 0,1 Prozent Gebühren (z. B. USA-Untergewichtung über zwei ETFs) mit dem Gerd Kommer ETF.

Wir nehmen an, dass beide Potfolios die gleiche Rendite vor Kosten erzielen und sich nur die ETF-Gebühren unterscheiden. Dann gilt für eine Anlagesumme von 100.000 Euro:

  • Nach 10 Jahren: rund 6000 Euro weniger Endvermögen

  • Nach 20 Jahren: rund 24.000 Euro weniger

  • Nach 30 Jahren: rund 69.000 Euro weniger (fast 10 Prozent weniger Endvermögen)

Im Kommer-ETF ist also ein ordentlicher Kostennachteil eingebaut.

Der Kostennachteil des Kommer-ETFs*

Annahmen: Anlagesumme von 100.000 Euro, Rendite vor Kosten von 7 Prozent pro Jahr (Weltportfolio: 6,9 Prozent; Kommer-ETF: 6,55 Prozent)

Gerd Kommer ETF
Weltportfolio mit Untergewichtung USA
Kosten
0,45 % pro Jahr
0,1 % pro Jahr
Vermögen nach 10 Jahren
189.000 Euro
195.000 Euro (+3,2 %)
Vermögen nach 20 Jahren
356.000 Euro
380.000 Euro (+6,3 %)
Vermögen nach 30 Jahren
671.000 Euro
740.000 Euro (+9,4 %)

Quelle: Eigene Berechnungen

*Ohne Steuern. Die Zahlen in Klammern zeigen, wie viel Prozent mehr Endvermögen Anleger mit einem günstigen Portfolio haben. Es handelt sich um ein hypothetisches Szenario und keine Prognose der künftigen Wertentwicklung beider Strategien. 

Performance unterscheidet sich kaum von Welt-ETFs

Die Wertentwicklungskurve des Gerd Kommer ETFs ist zu anderen Welt-ETFs fast deckungsgleich. Wer also in den Kommer-ETF investiert, bekommt fast die gleiche Performance wie bei Welt-ETFs, allerdings zu deutlich höheren Kosten.

Der Finanzjournalist Markus Neumann hält daher den ETF für eine „Mogelpackung“, wie er in seinem Newsletter im Februar 2025 kritisiert. Seine Regressionsanalyse zeige, dass Anleger kaum von den Faktorprämien profitieren, die der Kommer-ETF angeblich abbilde.

Vielmehr erkläre die allgemeine Marktentwicklung fast die gesamte Rendite des ETFs. „Fast 92 Prozent von GERDs Rendite lassen sich mit der Rendite des Konkurrenz-ETFs erklären“, berichtet Neumann.

Fast gleich: Performance des Kommer-ETFs und des SPDR MSCI ACWI IMI

Die schwache Performance von Multifaktor-Fonds

Bisher konnten Multifaktor-Fonds wie der Gerd Kommer ETF nicht mit marktbreiten ETFs mithalten. Ein Grund dafür ist, dass in den vergangenen Jahren vor allem große Unternehmen stark performt haben, die in solchen Strategien untergewichtet sind.

Zwei Studien von Javier Estrada (IESE Business School) kommen zu klaren, eher ernüchternden Ergebnissen.

In seiner Studie „Multifactor Funds: An early bearish assessment“ (2023 im Journal of Asset Management erschienen) schreibt der Finanzprofessor:

„Obwohl ihr Track Record begrenzt ist, zeigen die aktuellen Erkenntnisse zu Multifaktor-Fonds, […] dass diese Produkte die marktweiten, kapitalisierungsgewichteten Indizes oder kostengünstige ETFs, die diese abbilden, in Bezug auf Rendite, risikoadjustierte Rendite und Abwärtsschutz weitgehend nicht übertreffen konnten.“

Sein Fazit ganz am Schluss:

„Sowohl Privatanleger als auch institutionelle Investoren sind wahrscheinlich besser dran – möglicherweise sogar weitaus besser – wenn sie den Aktienanteil ihres Portfolios breit diversifizieren und dafür allgemein verfügbare, marktbreite, kapitalisierungsgewichtete und kostengünstige Indexfonds oder ETFs nutzen.“

Estrada untersuchte 54 Multifaktor-Fonds und -ETFs über den Zeitraum von 2014 bis 2022. Im Schnitt lagen die Fonds bei 9,4 % pro Jahr, ein Vergleichsindex (z. B. MSCI ACWI) bei 11,6 %. Gleichzeitig war die Kursschwankung (Volatilität) bei den Multifaktor-Fonds höher.

„Höhere Renditen gibt es an der Börse in aller Regel nur für höheres Risiko. Ich bezweifle allerdings, dass das Aktienportfolio des Gerd Kommer ETFs wesentlich riskanter ist als das eines normalen Welt-ETFs – deshalb halte ich eine langfristige Outperformance von 1 bis 1,5 Prozentpunkten pro Jahr eher für unwahrscheinlich.“

In einer neueren Studie, „Multifactor Funds vs. Homemade Factor Diversification Strategies“, untersuchte Estrada, ob Multifaktor-ETFs oder selbst zusammengebaute Portfolios aus Einzel-Faktor-ETFs besser rentieren. Das Ergebnis war, dass die günstigeren, selbst zusammengestellten Portfolios besser abschnitten.

Im Detail zeigten sich folgende durchschnittliche jährliche Renditen:

  • Multifaktor-Fonds: 9,0 Prozent

  • Selbst zusammengestellt (entsprechend der Faktorgewichtung im Fonds): 9,7 Prozent

  • Selbst zusammengestellt (Gleichgewichtung der Faktoren): 9,5 Prozent

  • Marktportfolio: 11,5 Prozent

  • Die risikobereinigte Performance war beim Marktportfolio am besten, und der maximale Drawdown war bei diesem fast am geringsten.

Die durchschnittlichen Kosten waren auch hier bei den Faktor-ETFs höher, konnten aber nur einen kleinen Teil der Performanceunterschiede erklären:

Multifaktor-Fonds kosteten durchschnittlich 0,29 Prozent, während selbst zusammengestellte Portfolios nur 0,11 Prozent kosteten.

„Multifaktor-ETFs wie der Gerd Kommer ETF starten mit einem Kostennachteil gegenüber normalen Welt-ETFs – diese höheren Gebühren müssen sie durch eine bessere Performance erst einmal wettmachen.“

Auch die Multifaktor-Fonds von Dimensional Fund Advisors liegen teilweise deutlich hinter passiven Welt-ETFs. So blieb der Global Core Equity Fund über die vergangenen 15 Jahre um etwa 0,8 Prozentpunkte pro Jahr hinter einem teuren MSCI World ETF mit 0,5 Prozent TER.

Das zeigt, dass Multifaktorstrategien auch über sehr lange Zeiträume hinter dem breiten Markt bleiben können. Ob Anleger damit langfristig tatsächlich besser abschneiden, ist ungewiss.

Sept. 2008 bis Mai 2026: MSCI World ETF +525 % vs. Dimensional Global Core Equity +502 %.

Keine ETF-Alternativen

Beim Gerd Kommer ETF gibt es zudem keinen anderen ETF auf denselben Index. Das hat mehrere Nachteile:

  • Mögliche Steuernachteile bei Entnahmen: Sie können im Vermögensaufbau keinen zweiten ETF auf den gleichen Index besparen, um in der Entnahmephase Steuern zu stunden. Verkaufen Sie nämlich im Ruhestand Anteile an jüngeren ETFs zuerst, werden erst einmal weniger Steuern fällig und Ihnen bleibt mehr Vermögen, das weitere Gewinne abwerfen kann. Beim Kommer-ETF lässt sich der Trick allenfalls über ein Unter- oder Zeitdepot umsetzen.

  • Weniger Wettbewerb bei den Kosten: Bei ETFs auf Indizes wie den MSCI World konkurrieren viele Anbieter miteinander. Das erhöht den Druck, die Gebühren zu senken. Beim Gerd Kommer ETF wurde die TER bislang nur einmal leicht reduziert – von 0,50 auf 0,45 Prozent.

  • Keine direkte Alternative bei einer Schließung: Sollte der ETF geschlossen werden, könnten Anleger die Strategie nicht einfach mit einem anderen ETF auf denselben Index fortsetzen. Wegen des hohen Fondsvolumens dürfte aber eine Schließung absehbar unwahrscheinlich sein. 

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Lohnt sich der Gerd Kommer ETF?

Ob der Gerd Kommer ETF sinnvoll ist, ist letztlich eine Geschmacksfrage.

Aus meiner Sicht lohnt er sich jedoch nicht. Die höheren Kosten sowie günstigere Alternativen sprechen gegen ihn. 

Gerade den Kostennachteil von 0,3 bis 0,4 Prozent pro Jahr sollten Sie nicht unterschätzen – er summiert sich über die Jahre schnell zu erheblichen Beträgen, insbesondere bei größeren Vermögen.

„Bei der Geldanlage sind niedrige Kosten wichtiger als die perfekte Strategie. Gebühren schmälern die Rendite sicher, und jede Kosteneinsparung ist eine sichere Mehrrendite. Welche Strategie hingegen langfristig besser laufen wird, kann heute niemand wissen. Selbst unter Experten ist umstritten, ob Multifaktor-ETFs wie der Gerd Kommer ETF oder normale Welt-ETFs höhere Renditen erzielen werden.“

Fazit: Gerd Kommer ETF Kritik

Anleger sollten besser auf ein Zwei-ETF-Portfolio oder einen günstigeren Multifaktor-ETF setzen, um die Klumpenrisiken in Welt-ETFs zu reduzieren.

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Über den Autor

Elias Huber ist Honorarberater auf Stundenbasis (mit Zulassung nach § 34h GewO, die die Annahme von Provisionen verbietet). Er unterstützt Anleger im Raum Offenburg (Ortenaukreis), Karlsruhe, Freiburg sowie deutschlandweit per Videokonferenz – mit unabhängiger Finanzberatung rund um Geldanlage und Depotanalyse.

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